Der Bedarf nach der Institution Sparkasse trat zunächst in den größeren Städten auf. Angelockt von besseren Verdienstmöglichkeiten zogen zahllose Menschen – meist aus ärmeren Bevölkerungsschichten – vom Land in die Stadt. Da es noch keine Sozialversicherung gab – in Österreich wurde erst im Jahr 1889 eine gesetzliche Krankenversicherung eingeführt - waren sie im Fall von Krankheit, Arbeitsunfähigkeit und im Alter oft bitterer Not ausgesetzt.
Die Armenfürsorge lag in den Händen der Kirchen und Klöster. So war es kein Zufall, dass ein Pfarrer zum Mitbegründer der ersten Sparkasse Zentraleuropas wurde. Johann Baptist Weber hatte zuerst eine Pfarrkasse eingerichtet, die zinsenlose Kredite an bedürftige Bürger vermittelte. In der Wiener Vorstadtgemeinde St. Leopold gründete er im Jahr 1819 mit einem Stammkapital von 10.000 Gulden, heute wären das etwa 140.000 €, die Erste Oesterreichische Spar-Casse.
Die Kunden der Banken waren zu dieser Zeit der Staat, potente Unternehmen und finanzkräftige Bürger. Kleinhändler, Handwerker, Tagelöhner, Fabriksarbeiter oder Dienstboten mussten fast ihren gesamten Lebensunterhalt aus Barvermögen bestreiten. Doch von Zeit zu Zeit konnten auch sie kleinere Beträge zur Seite legen. Pfarrer Weber verstand seine Sparkasse als „Bank der kleinen Leute“. Hier sollten sie die Möglichkeit bekommen, mit ihren bescheidenen Ersparnissen Kapital aufzubauen, um es, wie die Statuten der Sparkasse es vorsehen, „in späteren Tagen zur Begründung einer besseren Versorgung, zur Aussteuer, zur Aushilfe in Krankheit, im Alter, oder zur Erreichung irgend eines löblichen Zweckes zu verwenden.“