Steuertipp

Die Gründung einer Praxis ist ein Riesenschritt im Leben einer ÄrztIn. Bisher in den Betrieb eines Krankenhauses eingebunden, kommt nun Einiges auf die NeugründerIn zu. Jahrelange ärztliche Tätigkeit, hohe medizinische Qualifikation und Motivation sind Voraussetzungen für eine erfolgreiche Zukunft als niedergelassene ÄrztIn. Aber darüber hinaus gibt es noch wesentliche weitere Aspekte zu beachten, insbesondere rechtliche, wirtschaftliche und steuerliche..

Am Beginn steht natürlich die Geschäftsidee, d.h. die Vorstellungen, wie die Ordination mit bestimmten Schwerpunkten geführt werden soll, um den medizinischen Bedürfnissen der Patienten zu entsprechen. Darüber hinaus ist es naturgemäß wichtig, den wirtschaftlichen Notwendigkeiten Rechnung zu tragen. Dazu zählt in erster Linie die Finanzierung. Nur wenige ÄrtzInnen werden in der Lage sein, die erforderlichen Finanzmittel aus Eigenem aufzubringen. Daher ist eine entsprechende Kreditfinanzierung über eine Bank unabdingbar. Es muss zunächst der erforderliche Finanzbedarf ermittelt werden, um die notwendigen Anfangsinvestitionen und allenfalls Ablösezahlungen für die Kassenverträge finanzieren zu können. Selbst wenn eine bestehende Ordination übernommen wird, besteht ein Finanzbedarf für die ersten 3 – 6 Monate, bevor mit entsprechenden Einnahmen gerechnet werden darf. In dieser Zeit müssen allerdings die Ausgaben der Ordination, wie Personal, Raumkosten, Versicherungen, Werbung, Energie u. dgl., vorfinanziert werden.

Entscheidend ist auch, sich einen Überblick über die anzuwendenden steuerlichen Vorschriften zu verschaffen. Nachfolgend werden die wichtigsten steuerlichen Bestimmungen dargestellt.

Die Einkünfte aus der freiberuflichen Tätigkeit, der Ordination, werden steuerlich unter die Einkünfte aus selbständiger Arbeit subsumiert. Die Gewinnermittlung erfolgt im Allgemeinen durch Einnahmen-Ausgaben-Rechnung. Dies bedeutet, dass der Gewinn aus der Gegenüberstellung der Betriebseinnahmen (Honorare) und der Betriebsausgaben (zB Personal, Miete, Ordinationsversicherungen, Haftpflichtversicherung, Werbung, IT-Ausgaben, Kranken- und Pensionsversicherung etc.) ermittelt wird.

Die Einnahmen-Ausgaben-Rechnung ist eine Gegenüberstellung aus Zahlungsvorgängen, d.h. nicht der Zeitpunkt der Leistungserbringung ist entscheidend, sondern der Zahlungseingang bzw. Zahlungsausgang.

Für das Gründungsjahr bedeutet dies, dass in den ersten Monaten nahezu ausschließlich Ausgaben, d.h. Zahlungen, anfallen, ohne dass entsprechende Einnahmen erzielt werden, obwohl die ÄrztIn regelmäßig ärztliche Leistungen erbringt, doch die Zahlung der Krankenkassen erst einige Monate später auf dem Bankkonto eingeht.

Im Ergebnis bedeutet dies: Wird eine Ausgabe noch vor Jahresende bezahlt, so verringert die Zahlung den Gewinn bzw. erhöht den Verlust des laufenden Jahres.

Praxistipp: Versuchen Sie, im ersten Jahr Akontozahlungen der Krankenkassen zu erhalten, dies verbessert nicht nur die Liquidität und reduziert damit den Finanzbedarf, sondern verbessert das Ergebnis des Gründungsjahres. Dadurch kann unter Umständen – je nach Beginn im Kalenderjahr – ein Verlust vermieden werden. Akontozahlungen sind möglich und werden von den Krankenkassen nach der Höhe der Honorare der VorgängerIn unter Abzug eines Abschlages genehmigt. Daraus ergeben sich auch positive Steuereffekte.

Betriebsausgaben sind Aufwendungen oder Ausgaben, die durch den Betrieb veranlasst sind. Die ÄrztIn ist bezüglich der Höhe und der Zweckmäßigkeit der Ausgaben frei, die Finanzbehörde darf sich nicht in die Frage der Notwendigkeit oder Angemessenheit von Ausgaben einmischen. Ausgenommen hiervon ist der Pkw, dazu später. Voraussetzung für die Absetzbarkeit ist das Vorhandensein eines ordnungsgemäßen Beleges, auf welchem Name und Adresse des liefernden oder leistenden Unternehmers, des Empfängers, eine handelsübliche Bezeichnung der Lieferung bzw. Leistung sowie eine fortlaufende Nummer ersichtlich ist. Bei Rechnungen bis einschließlich EUR 400,00 können Name und Adresse des Empfängers entfallen.

Berufstypische Betriebsausgaben sind Aus- und Fortbildungskosten, Fachliteratur, Reisekosten, IT-Ausgaben, Telefon etc.

Vorsicht bei der Absetzbarkeit von Kraftfahrzeugen (insbesondere Pkw) ist geboten. Die erste Voraussetzung für die Absetzbarkeit der Autokosten ist die Nutzung von mehr als 50% für berufliche Zwecke. In diesem Fall kann der Kaufpreis des Fahrzeuges abgesetzt werden, wobei bei einem Neufahrzeug eine Nutzungsdauer von 8 Jahren anzunehmen ist. Der maximale Anschaffungspreis eines Pkw beträgt (einschl. Umsatzsteuer und NoVA – bei Elektrofahrzeugen wird keine NoVA eingehoben) EUR 40.000,00. Werden diese Anschaffungskosten überschritten, so sind die Abschreibungen nur von dem Höchstbetrag von EUR 40.000,00 vorzunehmen, der übersteigende Betrag ist steuerlich nicht absetzbar. Das nachfolgende Beispiel soll den Sachverhalt entsprechend erläutern:

Kaufpreis EUR 50.000,00
Steuerlicher Höchstbeitrag EUR 40.000,00
Abschreibung p.a. EUR 5.000,00
Anteil der betrieblichen Nutzung 70% = EUR 3.500,00

Dies bedeutet, dass der Betrag von EUR 3.500,00 den steuerpflichtigen Gewinn jährlich vermindert. Die übrigen Ausgaben im Zusammenhang mit dem Kraftfahrzeug (Betriebskosten, Treibstoff, Wartung und Reparatur, Mautvignette etc.) sind lt. Beispiel ebenfalls zu 70% absetzbar.

Die Führung eines Fahrtenbuches ist nicht zwingend vorgeschrieben, doch muss aufgrund der ärztlichen Tätigkeit glaubhaft gemacht werden, dass das Ausmaß der abgesetzten betrieblichen Nutzung vorliegt. Wird das Fahrzeug zu weniger als 51% betrieblich genutzt, können entweder die tatsächlichen Autokosten in dem geringeren betrieblichen Ausmaß oder das amtliche Kilometergeld (dzt. EUR 0,42 pro gefahrenem km) abgesetzt werden. Für die Absetzbarkeit von Kilometergeldern ist das Führen eines Fahrtenbuches unabdingbar; dabei müssen Datum, Fahrtzweck und Angabe der gefahrenen km und des Kilometerstandes angegeben werden.


Personal
Löhne und Gehälter an Mitarbeiter sind einschließlich der gehaltsabhängigen Abgaben und Sozialversicherungsbeiträge absetzbar. Zusätzlich zum Bruttobezug fallen folgende gehaltsabhängige Abgaben und Sozialversicherungsbeiträge an:

  • Dienstgeberanteil zur Sozialversicherung (rd. 22%)
  • Dienstgeberbeitrag zum Familienbeihilfenausgleichsfonds (4,5%)
  • Kommunalsteuer (3%)
  • Beiträge an die Mitarbeitervorsorgekasse (1,53%).

Bemessungsgrundlage ist jeweils der Bruttobezug.

Bei der Einstellung ist dem Dienstnehmer ein schriftlicher Dienstzettel zu übergeben, welcher die wesentlichen Regelungen des Dienstvertrages enthält. Wichtig ist, dass im Dienstzettel die Höhe des Gehalts, die Arbeitszeit, die richtige kollektivvertragliche Einstufung nach Beschäftigungsgruppen und Vordienstzeiten, Kündigungsfrist und Kündigungstermin vereinbart werden.


Raumkosten
Zu den Raumkosten zählen Miete und Betriebskosten. Wird eine Eigentumsordination erworben, so ist der Kaufpreis (einschl. Nebenkosten wie Grunderwerbsteuer und Eintragungsgebühr) im Wege der Absetzung für Abnutzung verteilt auf 40 Jahre (= 2,5% p.a.) absetzbar.


Arbeitskleidung
Typische Berufskleidung ist absetzbar, dazu zählt weißer Mantel, Leinenhose und Ärzteschuhe. Designerkleidung ist nicht absetzbar.


Versicherungen
Die Versicherungen sind ein äußerst wichtiger Bereich, welcher einer fachkundigen Beratung bedarf. Zu den versicherten Risiken zählen ärztliche Haftpflicht, Betriebsunterbrechung für den Ausfall durch Elementarereignisse, Krankheit oder Unfall sowie eine Bündelversicherung der Sachwerte. Ferner sind Pflichtbeiträge an die Sozialversicherungsanstalt der gewerblichen Wirtschaft (SVA) für Pensionsbeiträge zu entrichten. Bei der Krankenversicherung besteht ein Wahlrecht zwischen SVA, Gebietskrankenkasse oder Privatversicherung (Opting-Out).


Ärztekammerbeiträge
Beiträge an den Wohlfahrtsfonds (Pensionsbeiträge) und an die Ärztekammer sind steuerlich absetzbar.


Abschreibung (Absetzung für Abnutzung)
Investitionen werden in erster Linie bei der Gründung getätigt, in späteren Jahren erfolgen entsprechende Ersatzinvestitionen. Dies betrifft medizinische Geräte, Einrichtung Wartezimmer, EDV und IT etc. Diese Kosten sind nur bis zu einem Betrag von EUR 400,00 sofort absetzbar, sind die Anschaffungskosten höher (was im Regelfall gegeben ist), so sind diese Ausgaben verteilt auf die Nutzungsdauer absetzbar. Richtwerte für Nutzungsdauern sind: EDV Hardware 3-5 Jahre, EDV Software, IT 3-5 Jahre, Einrichtungsgegenstände 5-10 Jahre, medizinische Geräte 4-10 Jahre.


Rechts- und Steuerberatung
Aufgrund der Komplexität der Rechtsvorschriften allgemeiner Natur und der steuerlichen Bestimmungen im Besonderen ist die berufliche Tätigkeit ohne Unterstützung durch Anwalt und Steuerberater nur schwer möglich. Auch diese Ausgaben sind Betriebsausgaben.


Registrierkasse
Wichtig ist, von Anfang an zu prüfen, ob eine Registrierkasse erforderlich ist. Die Verpflichtung zur Anschaffung einer Registrierkasse besteht, wenn der Umsatz im Kalenderjahr EUR 15.000,00 übersteigt und davon Bareinnahmen von mehr als EUR 7.500,00 erzielt werden. Bei Wahlarztpraxen wird die Grenze von EUR 7.500,00 jährlich regelmäßig überschritten, bei ausschließlichen Kassenpraxen ist dies im Einzelfall zu prüfen. Sollte die Verpflichtung zur Anschaffung einer Registrierkasse bestehen, so muss diese unbedingt eingehalten werden, anderenfalls besteht die Gefahr erheblicher Strafen und unter Umständen sogar die Gefahr der Schätzung der Besteuerungsgrundlagen.

 

 

Dieser Tipp wurde von der Dr. Walter Kristen Wirtschaftsprüfungs- und Steuerberatungsgesellschaft mbH, 1130 Wien, Lainzerstraße 35, zur Verfügung gestellt.