Krems, 11. Juni 2014
Günther Graf: Nach 44 Jahren Abschied als Direktor der KREMSER BANK UND SPARKASSEN AG

Günther Graf ist seit 1970 in der KREMSER BANK tätig; seit 1992 Direktor des Institutes. Im Juli geht er in den Ruhestand. Er übergibt ein attraktives, gut aufgestelltes Haus. Ein Gespräch über Beständigkeit und persönliche Zukunftspläne.

Seit 1992 sind Sie Direktor der KREMSER BANK. Wie sehr haben sich Ihre Aufgaben und die praktische Arbeit seitdem verändert?
Nach 22 Jahren als Angestellter in der Sparkasse folgt 1992 der Wechsel in eine neue Rolle als Vorstandsdirektor der KREMSER BANK UND SPARKASSEN AG. Man steht dann plötzlich auf der„anderen Seite“ - für langjährige Freunde und KollegInnen wird man zum Vorgesetzten. Wer glaubt, dass dieser Spagat leicht ist, der irrt. Ich hoffe, mir ist es aber gelungen. Auch im operativen Bereich ändert sich einiges. Es geht weg von der Detailsicht in seinem eigenen Aufgabenbereich, mehr hin zur globalen Betrachtung. Strategische, planerische und personalpolitische Entscheidungen treten in den Vordergrund – vom mühsam erworbenen Detailwissen muss man sich aus Zeitgründen verabschieden – auch wenn dies nicht leicht fällt.

Wenn wir über Veränderung in meiner Tätigkeit als Vorstandsdirektor sprechen, muss man festhalten, dass die Bürokratisierung und die Reglementierung immer mehr zunimmt. Speziell seit der Wirtschafts und Finanzkrise 2008 haben sich die Verordnungen, Regelwerke und Gesetze vervielfacht, was einen gewaltigen internen Mehraufwand in der Administration erfordern. 

Durch die Krisen und Skandale in international tätigen Investmentbanken hat der Beruf eines Bankangestellten in der Öffentlichkeit leider viel von seinem früheren Ansehen verloren. Heute überwiegen nach wie vor negative Schlagzeilen, welche indirekt auch Auswirkungen auf das Kundenverhalten haben. Trotz allem ist es uns bisher sehr gut gelungen, auf Grund unserer überschaubaren Größe und einer schlanken und sehr flexiblen Organisation den direkten und persönlichen Zugang zu unseren KundInnen zu behalten.

Die KREMSER BANK ist eine starke Regionalbank mit traditionellen Wurzeln. Anerkannt in der Gesellschaft und wirtschaftlich sehr erfolgreich. Wie kann man diesen Standard über die Jahre halten?
Ganz klar und einfach formuliert: politische Unabhängigkeit und das seit der Gründung im Jahr 1856. Darauf haben wir immer wert gelegt. Worauf wir besonders stolz sind, ist die Tatsache, dass wir unserem ursprünglichen Gründungsgedanken bis heute treu geblieben sind. Wir unterstützen seit Anbeginn zahlreiche gemeinnützige Institutionen und öffentliche Einrichtungen in der Region. Jüngste Initiative ist unser Förderpreis der Privatstiftung Sparkasse Krems, mit dem wir unseren Gemeinwohlauftrag untermauern möchten.

Kurz zum wirtschaftlichen Erfolg: Wir haben immer auf gut ausgebildete Mitarbeiter, die in der Region wohnhaft sind und die Sparkassen-Idee auch weiter tragen, gesetzt. Das Geschäftsmodell ist konservativ ausgelegt. Das bedeutet, dass wir keine Spekulationsgeschäfte machen, sondern unsere Preise fair und vor allem transparent kalkulieren.

Die Hauptanstalt der KREMSER BANK wurde 2001/2002 einer Generalsanierung und Erweiterung unterzogen. Sie haben die Entstehung damals bereits als Direktor und Projektleiter mitgetragen. Wie bedeutend war dieser Schritt für die Entwicklung des Hauses?
Im Jahr 1963 erfolgte der ursprüngliche Neubau der Hauptanstalt am heutigen Standort. Von vielen wurde damals der großzügige Neubau als überdimensioniert bezeichnet. Heute würde man das belächeln. 

Wagen wir kurz einen geschichtlichen Rückblick: Gehaltekonten und Pensionskonten war damals erst in den Anfängen – Barauszahlungen waren der Standard. Das Verkehrsaufkommen auf der Ringstraße war noch sehr gemäßigt. Die Bilanzsumme belief sich damals auf ATS 194 Mio. (€ 14,1 Mio.), die Anzahl der Mitarbeiter betrug 37Angestellte.

Die Geschäftsmöglichkeiten der Sparkasse waren durch die Gesetzeslage und das „Sparkassen-Regulativ“ gegenüber von Geschäftsbanken sehr eingeschränkt. Erst durch die Einführung des Kreditwesengesetzes 1979 erfolgte eine Liberalisierung und damit die Ausweitung der Geschäftstätigkeit auf eine Universalbank. Das Geschäftsvolumen weitete sich dementsprechend aus, was zur Folge hatte, dass die Anzahl der Mitarbeiter aufgestockt werden musste. So wurden die ursprünglich überdimensionierten Räumlichkeiten zusehends knapper. Das größte Problem war jedoch das stark anwachsende Verkehrsaufkommen, da Parkflächen nur in sehr geringer Anzahl zur Verfügung standen (vor dem Hauptgebäude, entlang der Ringstraße). Ab dem Jahr 1994 beschäftigte sich der damalige Vorstand, Karl Friedl und mein Person, intensiv mit der Prüfung und Vorbereitung der Erweiterung von Geschäfts- und vornehmlich auch Parkflächen. Auch ein gänzlicher Neubau des in der Zwischenzeit auch technisch veralteten Hauptanstaltsgebäudes wurde in Erwägung gezogen.

Umliegende bzw. angrenzende Liegenschaften konnten nach umfangreichen Verhandlungen zugekauft und teilweise wieder gegen andere getauscht werden. Auch die dem Bankgebäude gegenüber liegende Liegenschaft (Ringstraße 14-16), wo heute die Bezirkshauptmannschaft steht, wurde gekauft und konnte während der Umbauphase, ebenso wie die Liegenschaft Ringstraße 9 als Ausweichquartier für den gesamten Bankbetrieb verwendet werden. Die Schließung des Zentralkinos wurde zum Anlass
genommen, auch diese Liegenschaft zu erwerben, wodurch endlich auch die Möglichkeit zur Errichtung einer Tiefgarage und der Ausbau des heutigen Ferdinand Dinstl Saals gegeben war. Nach Durchführung eines Gutachterverfahrens und der Bauverhandlung konnte schlussendlich nach Aussiedlung des gesamten Geschäftsbetriebes mit den Umbau- und Ausbau im 5/2001 begonnen
werden. Die Fertigstellung und Aufnahme des Geschäftsbetriebes im neuen Gebäude erfolgte im November 2002. Müsste ich heute ein Resümee ziehen, dann würde es wie folgt aussehen: Der Um- und Ausbau war dringend erforderlich. Wir mussten Parkplätze schaffen und die veraltete technische Infrastruktur erneuern. Wichtig war es auch barrierefreie Zugänge (Lift) zu ermöglichen, die es zum damaligen Zeitpunkt einfach noch nicht gab. Kurz um – es war die richtige Entscheidung!

Was viele wahrscheinlich nicht wissen ist, dass Sie auch Mitglied des Vorstandes der Privatstiftung Sparkasse Krems, der wirtschaftlichen Eigentümerin der KREMSER BANK sind. Was steckt hinter der Privatstiftung?
Die Privatstiftung ist alleinige Eigentümerin der Kremser Bank und Sparkassen AG, sie hält somit 100 % der Aktien. Zum Verständnis: Ursprünglich gab es die 1856 auf Initiative von Dr. Ferdinand Dinstl gegründete Sparkasse in Krems in Form einer Vereinssparkasse. Das heißt, die erforderlichen Mittel für einen zu dotierenden Garantiefonds wurden von wohlhabenden Bürgern aufgebracht. Diese Mittel wurden später wieder zurückgezahlt. Die Sparkasse hatte somit keinen Eigentümer und gehörte sich de facto selbst.

Durch neue gesetzliche Möglichkeiten war es ab 1992 möglich, den Bankbetrieb in der Rechtsform einer Aktiengesellschaft zu betreiben. Aus rechtlichen und wirtschaftlichen Überlegungen wurde die Rechtsformänderung auch in unserem Haus umgesetzt und ab diesem Zeitpunkt firmiert die Sparkasse unter dem Namen KREMSER BANK UND SPARKASSEN AG. Dies war auch einer meiner ersten wichtigen Entscheidungen, die ich als neu bestellter Vorstand der KREMSER BANK mittragen durfte. Die ursprüngliche Vereinssparkasse blieb unter der Bezeichnung Anteilsverwaltungssparkasse Sparkasse Krems als Besitzgesellschaft bestehen. Ab dem Jahr 1999 war es möglich, die weitgehend unbekannte Rechtskonstruktion der „Anteilsverwaltungssparkasse“ (geregelt im Sparkassengesetz) in eine Privatstiftung umzuwandeln („formwechselnde Umwandlung“). Als einer der ersten Sparkassen in Österreich haben wir davon Gebrauch gemacht, um mehr Rechtssicherheit in einer etablierten und weitgehend anerkannten Gesellschaftsform zu finden. Die Rechte des Stifters werden durch den Sparkassenverein (Verein der Sparkasse Krems) wahr genommen.

Somit ist auch abgesichert, dass die in den ursprünglichen Gründungsurkunden verankerten wohltätigen und gemeinnützigen Aufgaben nach wie vor in der Stiftungsurkunde verankert sind. Diese Verantwortung nehmen wir auch ernst und wahr. Daran wollen wir auch in Zukunft festhalten. 

Ihre bisherigen Agenden in der KREMSER BANK werden auf Ihre Vorstandskollegen Christian Hager und Hansjörg Henneis aufgeteilt. Zu welcher Aufteilung wird es hier kommen? 
Da in Banken seit einigen Jahren eine strikte Aufteilung der Agenden in Markt und Marktfolge vorzunehmen ist, wird Dir. Christian Hager den Marktfolgebereich von mir übernehmen. Dies sind unter anderem die Marktfolge Finanzierungen und Risikomanagement, die Organisation und das Gebäudemanagement, das Rechnungswesen und die Marktfolge Passivgeschäfte. Andererseits wandern die bisher von Dir. Hager betreuten Marktabteilungen zu Dir. Henneis, dabei geht es um das Privat Banking und das Vermögensmanagement. Der Vertriebsbereich mit Filiale, Kommerz, und dem wohn²Center bleibt bei Dir. Henneis angesiedelt. Die Stabstellen unterliegen wie bisher dem Gesamtvorstand (Gesamtbanksteuerung, Vorstandssekretariat, Interne Revision, Compliance & Sorgfaltspflicht, Personal). 

Sie treten nun ab Juli den Ruhestand an und kehren dem arbeitsintensiven Job als Vorstandsdirektor den Rücken. Haben Sie schon konkrete Pläne für die zukünftige Freizeitgestaltung?
Selbstverständlich sind diese Pläne vorhanden (lacht). Ich hoffe, dass ich zumindest einen Teil davon auch wirklich umsetzen kann. Einerseits will ich mich wieder regelmäßig sportlich betätigen - dabei denke ich in erste Linie an Tennis, Radfahren, Bergwandern und Nordic-Walking – andererseits gibt es schon zahlreiche Reisepläne gemeinsam mit meiner Gattin. Ein positiver Nebeneffekt: Das Reisen möchte ich mit dem Erlernen und Auffrischen von Fremdsprachen sowie mit meinem Hobby, dem Fotografieren, verbinden. Damit der Umstieg in die Pension nicht gar zu abrupt geht, werde ich auf Wunsch des Aufsichtsrates und in Abstimmung mit den übrigen Vorstandsmitgliedern noch für 2 Jahre im Vorstand der Privatstiftung Sparkasse Krems bleiben. Diese Aufgaben werde ich auch weiterhin mit Leidenschaft wahrnehmen. 

Erst vor kurzem sind Sie erneut Großvater geworden – nachträglich noch einmal alles Gute. Welche Rolle spielt Ihre Familie in Ihren Leben?
Die Familie spielt für mich eine sehr wichtige Rolle, da mir diese auch in schwierigen Zeiten immer den nötigen Rückhalt gegeben hat. Als Manager vernachlässigt man leider sehr oft, durch vielerlei Verpflichtungen an Abenden und an den Wochenenden, den Rückzugsort „Familie“ zur Regeneration zu nutzen. Ich freue mich darauf, in Zukunft wieder mehr Zeit zu Hause zu verbringen und dort hoffentlich auch hilfreich zur Seite stehen zu können, wenn ich gebraucht werde. Als vielfacher Großvater in den unterschiedlichsten Altersgruppen ist sicher für allerlei Abwechslung mit den Enkelkindern gesorgt. Diese Herausforderung nehme ich sehr gerne an.

Wenn Sie drei Wünsche für Ihre Zukunft frei hätten, wie würden die lauten?
Gesund und fit bleiben, Friede auf Erden, mit meiner Frau einen glücklichen Lebensabend genießen. Herr Direktor, herzlichen Dank für das Gespräch und alles Gute für Ihren wohlverdienten
Ruhestand.


Rückfragenhinweis:
DI(FH) René Matous
Kremser Bank und Sparkassen Aktiengesellschaft
Leiter Unternehmenskommunikation & Marketing
Telefon: 05 0100 25520
Mobil: 05 0100 6 25520
E-Mail: Rene.Matous@KremserBank.at